In der Veranstaltungshalle der Salzmannschule herrschte reges Treiben, als die potentiellen Fünftklässler des kommenden Schuljahres zur Aufnahmeprüfung antraten. Etwas Aufregung sah man am Samstagvormittag so manchem der 110 Bewerber an.

Schulleiter Dirk Schmidt war mit dem Rummel zufrieden: „Noch nie waren so viele Kandidaten angereist. Im letzten Jahr waren es gerade einmal 64 Schüler und Schülerinnen“, vergleicht er die Teilnehmerzahlen.
Die Steigerung um 70 Prozent erklärt sich Schmidt so: „Das Konzept unseres Spezialgymnasiums hat sich mittlerweile bewährt. Die Eltern des siebten Jahrgangs sehen, dass die Zweifel der Anfangsjahre verflogen sind. Die ältesten Schüler lernen nun ihre vierte Fremdsprache und sind mit dieser Aufgabe nicht überfordert.“ Außerdem sei jeder einzelne Schüler ein Multiplikator, der den guten Ruf der Schule in seinem sozialen Umfeld verbreite. Den wichtigsten Faktor für das wachsende Interesse am Sprachgymnasium sieht der Schulleiter in der positiven Berichterstattung. „In den letzten Monaten hatten wir sehr gute Pressestimmen. Vor allem die beiden Reportagen im MDR dürften einige Familien aufmerksam gemacht haben, nicht nur in Thüringen.“, vermutet Schmidt und soll damit Recht behalten:
Isabel Fernandez de Castille aus Leipzig hatte die Sendung im Februar gemeinsam mit ihrer Familie gesehen. „Mein Sohn ist mehrsprachig aufgewachsen und besucht bereits eine internationale Schule. Von der Präsentation der Salzmannschule war er so beeindruckt, dass er mich um die Anmeldung gebeten hat“, erzählt die Halbspanierin. „Außerdem dachte ich an meine Freundin in England. Sie hat eine Professur in München inne. Ich wusste, dass sie eine deutsche Schule für ihren dreisprachig erzogenen Sohn sucht.“, fügt sie hinzu.
Tatsächlich war María Isabel Peňa Agudo, Professorin für Philosophie an der Münchner Akademie der Bildenden Künste, mit ihrem Sohn aus Cambridge angereist. „Gestern sind wir in Deutschland gelandet. Die lange Reise war es uns wert“, erklärt die gebürtige Spanierin „Mein Sohn spricht Englisch, Spanisch und Deutsch. Die Salzmannschule ist eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland, die es ihm ermöglicht, sein Sprachtalent auszubauen.“
Für die hohen Ansprüche des Schnepfenthäler Spezialgymnasiums werden im Aufnahmeverfahren die geeignetsten Schüler ausgewählt. Prof. Dr. Ernst Hany ist Psychologe an der Universität Erfurt und Spezialist auf dem Gebiet der Begabtenförderung. In Zusammenarbeit mit ihm wurden verschiedene Tests zur Messung der Leistungsfähigkeit im Umgang mit Deutsch und Fremdsprachen entwickelt. Eine Herausforderung ist die Messung der Sprachbegabung. „Wir lernen jedes Jahr aus den Erfahrungen der vergangenen Testverfahren. Je nachdem, wie stark sich die Aufgaben bewähren, werden sie dann ausgetauscht.“, sagt Prof. Hany.
Die Viertklässler hatten am vergangenen Samstag insgesamt sieben Aufgabenstellungen zu absolvieren, darunter ein Diktat, eine Grammatikübung und das Hörverstehen in der Englischen Sprache. Die Arbeitszeit betrug am Vormittag und am Nachmittag je 90 Minuten. Dazwischen lag eine Mittagspause, in der die Kandidaten von älteren Schülern des Gymnasiums betreut wurden.
Eltern wurden gebeten, sich während der Prüfungsdauer nicht auf dem Schulgelände aufzuhalten; stattdessen bot das Kollegium des Internats der Salzmannschule die Möglichkeit zur Besichtigung.
Ob ihre Kinder schließlich in diese Unterkunft ziehen dürfen und am Spezialgymnasium für Sprachen aufgenommen werden, gibt die Prüfungskommission Anfang Mai bekannt.
Franziska Bravo Roger |