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Salzmannschule Schnepfenthal . Staatliches Spezialgymnasium für Sprachen
                 
Presseartikel 2005

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(Südthüringer Zeitung STZ) 07.01.2005

Salzmannschule ist ein bundesweit einzigartiges Staatliches Spezialgymnasium für Sprachen

Ein Schlaraffenland für Lehrer



VON SUSANNE SOBKO

SCHNEPFENTHAL – Es gab die ersten Sport- und Schwimmstunden, hier lernten Prinzen und spätere Prominente, Gartenarbeit gehörte ebenso zum Unterricht wie Handwerk, und heute sind vier Fremdsprachen Pflicht – das Gymnasium in Schnepfenthal war und ist eine ganz besondere Schule.

Als Elite-Gymnasium wird die Salzmannschule in Schnepfenthal häufig bezeichnet. Von elitärem Gehabe ist im winzigen Büro des Schulleiters mit den mausgrauen Möbeln aber nichts zu spüren und Dirk Schmidt erscheint als Gegenteil der gestrengen Rektoren aus Internatsschulen in Film und Buch. Von seinen Schülern behauptet er ebenfalls, dass sie „ganz normal“ sind, wobei Außenstehende anderes berichten. Zum Beispiel die Studenten, die im Verlauf einer Studie kaum fassen konnten, wie strebsam die Schüler sind. Und wer freut sich schon auf das Ende der Ferien? Bei den Zwillingen von Familie Jornitz aus Bad Salzungen ist es so: „Sie können es kaum erwarten, wieder ins Internat zu kommen“, erzählt der Vater. In dieser Schule würde er gern selbst noch mal zum Schüler. Weil Thomas Jornitz Sprache so wichtig für die berufliche Zukunft findet. Weil die Ganztagsschule einen „entzerrten Unterricht“ mit Freiräumen bietet. Weil er die vielen Freizeitaktivitäten selbst nie anbieten könnte. Weil er alternativen Unterricht wie einen Ausflug zur chinesischen Botschaft gut findet. Weil er von keiner anderen Schule solch eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern kennt.

Constanze Gräf aus Steinbach-Hallenberg ist genauso begeistert von der Wahl für Tochter Anna – sie lobt den geregelten Tagesablauf, die bunte Mischung im Internat und die vielen Angebote: „Langeweile kommt dort nicht auf.“

Dirk Schmidt ist der Stolz also zu Recht anzumerken, zumal er auf eine traditionsreiche Geschichte aufbaut (siehe „Hintergrund“). Durchschnittlich 55 Schüler werden pro Jahr aufgenommen, die meisten besuchen das Internat, da sie aus ganz Thüringen und den angrenzenden Ländern stammen. Dabei gibt es absichtlich keine bundesweite Werbung, weil noch um einen Internats-Neubau gerungen wird, aber der Schulleiter verspürt zunehmendes Interesse. Zum Tag der offenen Tür können sich Eltern und Schüler informieren, und in einem Auswahlverfahren mit Unterstützung der Universität Erfurt werden die Bewerber geprüft. Etwa 20 Prozent fallen durch, für Grenzfälle gibt es Probezeiten. Anfangs hatten sich fast nur Mädchen angemeldet, aber mittlerweile ist das Verhältnis ausgeglichen – Studien ließen auch keine Unterschiede bei der sprachlichen Begabung erkennen. Als Anhaltspunkte nennt Schmidt einen großen Wortschatz und die Freude an Sprache. Die ist nötig, denn nach Englisch kommt ab Klasse 6 Chinesisch, Japanisch oder Arabisch, in Klasse 8 wird zwischen Spanisch oder Französisch gewählt, und in Klasse 9 folgt Russisch, Tschechisch oder Polnisch. Die Sprachen werden in kleinen Gruppen gelehrt, fächerübergreifend genutzt und in der Freizeit geübt. Das Fach Geschichte ist zunächst bilingual und später ausschließlich in Englisch, eine dreiwöchige Sprachreise und ein Auslandspraktikum sind zusätzliche Lernhilfen. Auf Wunsch von Eltern werden die freiwilligen Latein-Stunden ein Jahr lang verpflichtend. Eine andere Neuerung betrifft den vierzehntägigen Samstags-Unterricht, der längere freie Wochenenden ermöglicht. Weitere Besonderheiten sind der Ganztags-Unterricht mit Erholungspausen, Projektarbeit und Wochenpläne.

Das ganzheitliche Konzept mit dem Verbinden von Kopf, Herz und Hand knüpft an die Ideen von Salzmann an – ebenso wie der Schwerpunkt Sprachen, denn ehemals wurde sogar zum Mittag in Englisch oder Französisch geredet. Naturwissenschaften, Sport, Musik und Kunst sollen trotzdem nicht zu kurz kommen, wobei hierzu auch die Freizeit genutzt wird. Beispielsweise unterrichten Musiklehrer am Internat, ein Schulchor ist im Aufbau, sportliche GutsMuths-Gedenkspiele finden statt, die Erträge aus dem Schulgarten werden zum Erntedankfest präsentiert. Außerdem sind Arbeitsgemeinschaften im Angebot wie Traditionsturnen, Schulgeschichte, Homepage-Gestaltung, internationales Kochen und Backen, Lesesalon und arabisches Theater. Die älteren Schüler nutzen das Vereinsleben der Region. Häufige Erfolge sind das Resultat, wie vordere Plätze bei Mathematik-Olympiaden oder Musik-Wettstreiten sowie viel Applaus bei Konzerten und Theaterabenden.

Dabei zeigt sich, dass viele sprachbegabte Kinder in anderen Gebieten ebenfalls gut sind, wobei Schmidt das Klischee des Strebers bestreitet: „Die Schüler sind einfach sehr motiviert.“ Für die Lehrer „ein Schlaraffenland“, er selbst war überrascht, „dass Schule auch so gehen kann“. Einige Schüler haben hier erstmals Freude am Lernen und genießen die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, denn in den Grundschulen waren sie ausgegrenzt: „Sie haben absichtlich schlechte Noten geschrieben, um nicht als Vorbild zu gelten.“ Manche haben auch schon Klassen übersprungen. Nur für wenige ist das Internat ein Grund für Kummer, denn meist sind eher die Eltern betroffen, so dass es jetzt eine Initiative „Heimweh für Eltern“ gibt.

Einen großen Vorteil sieht Schmidt im „multikulturellen Flair“ der Schule, an der ein Ägypter, Chinesen, eine Japanerin und ein Franzose unterrichten. Dabei läuft es nicht ohne Probleme, denn eine Chinesin hat strengere Vorstellungen von Disziplin. „Ein Lernprozess für alle“, schlussfolgert der Schulleiter, „auch Lehrer und Eltern erlangen hier interkulturelle Kompetenzen“.

Beste Voraussetzung für einen späteren Auslands-Aufenthalt der Schüler, den Schmidt bei vielen voraussieht. Ebenso wie er Geisteswissenschaften, Jura und Archäologie als besonders beliebte Studienziele annimmt, „auch Meeresbiologe kann man werden“, und für Betriebswirtschaft rechnet er ebenfalls mit Interessenten. Schon jetzt fragen Unis nach Absolventen, denn sie erhoffen sich besondere Leistungen. Deshalb sollen in der Oberstufe Hochschuldozenten unterrichten, und der Thüringer Wirtschaftsminister hat die Eröffnung der Schule als „wesentlichen Beitrag für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Freistaates“ gelobt.

Dazu beitragen sollen auch die allgemeinen Ziele der Schule: Ausdauernd, planmäßig, selbstständig, kooperativ und ideenreich arbeiten, rücksichtsvoll reagieren, den Körper gesund erhalten und Spaß am Sport haben, sich für Kunst begeistern, die Natur lieben und die Umwelt schützen. Die Schüler scheinen sich damit zu identifizieren. Toni Emmrich aus Leimbach hat viel Spaß an der Schule, Lisa Crusius aus Schwallungen freut sich besonders über den Sprachunterricht und die enge Schulgemeinschaft. André Jornitz weiß, wann er das erste Mal von seinen Sprachkenntnissen profitieren könnte: Er hat sich als Volontär bei der Fußball-Weltmeisterschaft beworben.

Dirk Schmidt freut sich über solchen Ehrgeiz und lässt das Wort Elite mit Blick auf die Zukunft plötzlich gelten: „Wenn unsere Schüler mal dazugehören, können wir stolz sein.“