Schulprojekt − ganz anders

PROMINENT: Der japanischer Fotokünstler George Hashiguchi
ist bis heute zu Gast am Salzmann-Gymnasium Schnepfenthal.
TA-Foto: Th. RITTER
Japanischer Fotokünstler von Weltruf für vier Tage zu Gast an der Salzmannschule
Ein Fotokünstler mit Weltruf kann sich sehr sensibel mit Menschen unterhalten,
die George Hashiguchi dieser Tage in der Salzmannschule beweist.
SCHNEPFENTHAL (tri).
Eigentlich sollte es ein Workshop zum Thema Fotografie werden − doch es kam ganz anders: Einen Fotoapparat hat George Hashiguchi gar nicht mitgebracht. Um Fotografie
geht es eigentlich überhaupt nicht während der aktuellen Projektwoche, wie Schüler und
Lehrer zunächst erstaunt feststellten− statt dessen vertieft sich der 56-jährige Kulturbeauftragte der japanischen Botschaft in die Gefühlswelten seiner 13- bis 14-jährigen Gegenüber.
Die zehn Projektteilnehmer versetzen dabei sich und den namhaften Fotokünstler in
Erstaunen mit ungeahnter Offenheit und Tiefgründigkeit. Solche Analyse mentaler Befindlichkeiten, Lebensziele, Charaktereigenschaften, Wünsche, Zu- und Abneigungen betreibt Hashiguchi seit 1987.
Hunderte junge und ältere Menschen befragte er bereits und füllte damit eine stattliche
Sammlung. „Eine Reise, um Menschen im Jetzt kennen zu lernen“ ist der Titel eines Bildbandes, in dem Hashiguchi seine Interviewpartner in außergewöhnlich sensibel fotografierten Situationen darstellt.
Fotografiert werden die Salzmann- Acht- und Neuntklässler leider nicht, wie inzwischen
wohl feststeht. Wenn heute das Projekt endet, gibt es auch keine reguläre Präsentation der Ergebnisse − das ist für den 21. Januar geplant, wenn Tag der offen Tür ist. Und wenn George Hashiguchi im Juli zur Schul- Projektwoche wiederkommt, soll es tatsächlich um Fotografie gehen.
Traurig scheint niemand zu sein, dass das aktuelle Projekt gar so anders verläuft als gedacht. Teilnehmerin Sarah Wahnelt (14, Mihla): „Ich mache vor allem mit, um etwas
über japanische Kultur und Sprache zu erfahren und über mich selbst nachzudenken.“
Schulleiter Dirk Schmidt: „Wir wollen vor allem Sprache, Kunst und Kultur vermitteln −
da ergreifen wir jede sich bietende Möglichkeit.“ Und Kunsterzieher Günther Schiering:
„Statt Fotografie geht es eher um Soziologie − aber es ist spannend, was daraus wird.“
Den Kontakt Hashiguchis zur Salzmannschule vermittelte das Referat Kultur der Humboldt-
Universität Berlin. Allein das sei schon erfreulich, so Schulleiter Schmidt: Das zeuge
vom guten Ruf des Sprachen- Gymnasiums Schnepfenthal ebenso wie von öffentlicher
Anerkennung des Schulprofils.
22.12.05
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Saniertes Haus übergeben
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SCHNEPFENTHAL (rr). Als erstes Gebäude des historischen Ensembles der Salzmannschule Schnepfenthal ist am Samstag Haus 4 übergeben worden. Bereits mit Beginn der Sommerferien waren die Bauarbeiten beendet worden, so dass genug Zeit blieb, das Haus einzuräumen. 795 000 Euro investierte der Landkreis Gotha als Schulträger in das Holzfachwerkhaus, das zwischen 1792 und 1795 erbaut worden war. Es wurden das Dach saniert, das morsche Gebälk ausgewechselt und das Innere behutsam, aber bedarfsgerecht umgebaut. Im Dach- und Obergeschoss konnten die alten Türen erhalten, der alte Dielenfußboden und die Treppe aufgearbeitet werden.
Es zog das Schulmuseum ein und parterre die Verwaltung - die aber nur übergangsweise. Im nächsten Schuljahr soll im Erdgeschoss den Schülern die Bibliothek, ein Arbeitsraum mit acht Computerarbeitsplätzen und ein Lesesalon zur Verfügung stehen.
Das Haus hatte zunächst als Wohngebäude für Lehrer und Erzieher der Salzmannschen Erziehungsanstalt gedient. Luise Gerbing ( 1855-1927), die als Thüringer Waldfrau bekannt gewordene Enkelin des Schulgründers, lebte mit ihrem Mann, dem Kunstlehrer Reinhold Gerbing, in diesem Haus. An sie erinnert jetzt eine Statuette im Eingangsbereich.
25.09.2005
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Hotel wird Internat
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WALTERSHAUSEN (ck). Wenn Ende August der fünfte Jahrgang des Staatlichen Spezialgymnasiums für Sprachen Schnepfenthal aufgenommen wird, reicht der Platz im derzeitigen Internat im Stift Reinhardsbrunn nicht mehr aus. Die Großen werden deshalb ausweichen: Mit dem Beginn des neuen Schuljahres ziehen die 38 Internatsschüler der 9. Klasse um - in das Hotel "Landgraf" in Waltershausen, das nur noch bis 30. Juni Hotel ist. Der Landkreis als Schulträger hat mit dem Eigentümer André Wiegand einen Mietvertrag über fünf Jahre - mit der Option auf Verlängerung - geschlossen. Die 32 Mädchen und sechs Jungen ziehen in die oberste Etage. Die Zimmer, belegt mit je zwei Schülern, werden dafür umgestaltet, so dass jedem Bewohner dann Bett, Schreibtisch und ein Kleiderschrank mit Wertfach zur Verfügung stehen. Pro Zimmer gibt es ein Bad. Im Laufe des zweiten Halbjahres, also voraussichtlich im Frühjahr 2006, sollen die Internatsschüler aus der 8. Klasse den Großen ins einstige Hotel folgen. Insgesamt könnten drei Jahrgänge - immer die ältesten - in Waltershausen wohnen. Platz ist dort insgesamt für 130 Schüler. "Wir mussten eine Lösung finden. Es ist eine Übergangsvariante, denn vom Ziel Campuslösung weichen wir nicht ab", sagte Konrad Gießmann (CDU), amtierender Landrat. Für den Neubau eines Internats auf dem Gelände der Salzmannschule gebe es derzeit Gespräche auf verschiedenen Ebenen. "Denn das Konzept der Schule baut auf der Campuslösung auf, wir bleiben deshalb dran." Das ist auch im Sinne der Schule, denn mit nun zwei Internatsstandorten und wegen der laufenden Sanierung mit zwei Schulstandorten wird es organisatorisch noch schwieriger. Doch Lösungen gibt es auch dafür. So wird die Thüringerwaldbahn und Straßenbahn ihren Fahrplan so umstellen, dass die Internatsschüler von Waltershausen nach Schnepfenthal durchfahren können. Das Spezialgymnasium für Sprachen registriert laut Schulleiter Dirk Schmidt jedes Jahr steigende Anmeldezahlen. Für 2005/2006 waren es 84, neun mehr als im Vorjahr. 58 Schüler werden aufgenommen, davon 50 im Internat, denn die Neuen kommen nicht nur aus Thüringen, sondern inzwischen auch aus Hessen, Bayern und Sachsen. Damit sich das Nachhausefahren alle 14 Tage lohnt, gibt es künftig eine Lang- und eine Kurzwoche - also im Wechsel montags bis samstags und montags bis donnerstags.
13.06.2005 |
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Saludos de Mexico |
SCHNEPFENTHAL. An der Salzmannschule in Schnepfenthal, dem Staatlichen Spezialgymnasium für Sprachen, lernen derzeit auch vier junge Mexikaner. Die Jungs kommen aus Tijuana, besuchen dort eine deutsche Privatschule.
In diesem Schuljahr hat der älteste Jahrgang in der Salzmannschule, die 8. Klasse, mit dem Erlernen einer romanischen Sprache begonnen - Spanisch oder Französisch. Da kommt es ganz recht, dass für vier Wochen Gastschüler, deren Muttersprache Spanisch ist, mit im Unterricht sitzen und im Internat wohnen.
Gabriel Reyes, Jorge De Pablos, Javier Rubio und Luis Guillermo Garcia sind eigentlich in der 9. Klasse. In ihrer Schule erfolgen der Mathematik- und der Deutschunterricht auf Deutsch. Die meisten lernten unsere Sprache schon seit dem Kindergarten. Die Eltern wollten es so. Die Elternhäuser sind gut situiert, Schulgeld ist zu zahlen.
Die Jungen sprechen und verstehen inzwischen ganz gut die fremde Sprache. Sie können zudem perfekt Englisch, denn Tijuana, die Stadt mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern, liegt direkt an der Grenze zu Kalifornien. Nach St. Diego sind es nur 16 Kilometer, nach Los Angeles etwa zwei Autostunden. "Tijuana ist die Nahtstelle zweier Kulturen", umschreibt Schulleiter Dirk Schmidt die Situation der Stadt. Allerdings: Die USA haben zur Abschottung zwischen ihr Land und Mexiko einen Grenzwall gezogen.
Einem Zufall ist es zu verdanken, dass die Schüler aus Mexiko ihren Weg nach Thüringen fanden. An der Schule in Tijuana arbeitet seit drei Jahren eine Lehrerin aus Deutschland, eine Bekannte Schmidts. Durch den persönlichen Kontakt der beiden Pädagogen erfuhr der Schnepfenthaler Schulleiter, dass in einem Schüleraustauschprogramm mit Deutschland eine deutsche Schule ausgefallen ist. Schnepfenthal sprang sofort ein, denn das Spezialgymnasium, das sich noch im Aufbau befindet, sucht Partnerschulen in anderen Sprachräumen. Partner in China und Japan gibt es schon. Der Wunsch nach Partnerschulen im französischen und spanischen Sprachraum wurde jetzt aktuell, als diese Sprachen auf den Stundenplan kamen.
Für Gabriel, Jorge, Javier und Luis haben die Lehrer der Salzmannschule einen speziellen Stundenplan zusammengestellt. Alle Fächer zu belegen, wenn sie am Vormittag die Schulbank drücken, hätte wenig Sinn. Dafür haben sie aber jeden Tag zwei Stunden Deutsch intensiv. Deutsch sei schwer, "ein bisschen", geben sie zu: der, die das, dem, den...
Die mexikanischen Jungen wohnen im Internat im Klosterpark Reinhardsbrunn und am Wochenende fahren sie mit heim in die Familien. Sie sind das erste Mal in Europa. Viel besser, als sie es sich vorgestellt hatten, sei Deutschland, sagen sie: die schönen Kirchen und die Schlösser in Erfurt und Gotha. Die Lehrer und Eltern sorgen dafür, dass sie viel zu sehen bekommen. Heute besuchen sie die Wartburg in Eisenach und am Freitag fahren sie nach Leipzig. Dann stehen noch Berlin und Weimar auf dem Programm. Rita ROSSMANN
26.04.2005
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LERNEN DEUTSCH: Gabriel, Jorge, Javier und Luis aus Tijuana in Mexiko sind für vier Wochen Schüler der Salzmannschule Schnepfenthal. TA-Foto: R. ROSSMANN
26.04.2005 |
Großes Geburtstagsfest
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Bilder zur Gedenkfeier |
SCHNEPFENTHAL. Zuerst war es eine Trauerfeier, doch dann wurde doch noch eine Geburtstagsparty daraus. Thüringer Trachten- und Heimatvereine feierten den 150. Geburtstag von Luise Gerbing, der "Thüringer Waldfrau" aus Schnepfenthal. Neben ihrem Mann ist Luise Gerbing - sie war am 25. Februar 1927 verstorben - auf dem Waldfriedhof in Schnepfenthal begraben. Wie der Gründer der berühmten philanthropischen Erziehungsanstalt, Christian Gotthilf Salzmann. Er war Luise Gerbings Urgroßvater. Auch andere Mitglieder der Familien Salzmann und Ausfeld, die meisten Lehrer an der Salzmannschule, fanden unter den alten Buchen ihre letzte Ruhestätte. Der Ort ist ein sehr stimmungsvoller. Das spürten auch die Mitglieder der Heimat- und Trachtenvereine, die aus ganz Thüringen am Samstag nach Schnepfenthal gekommen waren, um Luise Gerbing an ihrem 150. Geburtstag zu ehren. Die Hermannsteiner Musikanten spielten ihr Lieblingslied "Im schönsten Wiesengrunde", und Pfarrer Scriba hielt eine eindringliche Rede im Sinne von Luise Gerbing: Man möge sich auf die wirklichen Werte im Leben besinnen, die nicht Geld und Macht heißen.Das sie Kenntnis von ihren Trachten haben, verdanken die Trachtenvereine Luise Gerbing. Sie war es, die mit dem beginnenden Industriezeitalter ihre Forschungen anstellte und alles aufzeichnete. Ständig war sie in den Thüringer Dörfern unterwegs, unterhielt sich mit den Bewohnern, sammelte Kenntnisse und Dinge, rettete so auch traditionelle Kleidung. Die Forschungen brachten ihr den Namen "Thüringer Waldfrau" ein. Ihr Trachtenbuch und das Flurnamenbuch gelten als Standardwerke, auf die man heute noch zurückgreift.Luise Gerbing war in Vergessenheit geraten. Erst nach der Wende wurde ihr Wirken wieder geschätzt und ins Bewusstsein zurück geholt. Am Samstag enthüllte Thüringens Wirtschaftsminister, Jürgen Reinholz (CDU), der Schirmherr der Veranstaltung, eine Gedenktafel am Wohnhaus der Gerbings in Schnepfenthal-Rödichen. Im Freizeitzentrum Gleisdreieck wurde eine kleine Ausstellung des Museums für Thüringer Volkskunde Erfurt in Zusammenarbeit mit der Stadt Waltershausen und dem Ortsbeirat Schnepfenthal gezeigt und Trachtenpuppen der Dachsberggemeinde aus dem benachbarten Ernstroda. Es gab Festreden, Kaffee und Kuchen, den die Feuerwehr-Frauen aus Schnepfenthal gebacken hatten, Gesang der Salzmannschüler, Tänze und eine Festhommage der Trachtenfreunde. Rita ROSSMANN
24.04.2005
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| Sehr anschaulich |
SCHNEPFENTHAL (rr). Aus Deutschland entscheiden 99 Abgeordnete im Europäischen Parlament mit, zwei sind aus Thüringen. Einen der beiden, Dr. Dieter Koch (CDU), lernten die achten Klassen des Spezialgymnasiums für Sprachen in Waltershausen-Schnepfenthal gestern kennen."Ihr seid diejenigen, die in dem künftigen Europa leben, studieren und arbeiten werden", richtete Koch das Wort an die 14-Jährigen, wohl wissend, dass sich gerade diese Schüler durch ihre vielfältige Sprachenausbildung darauf vorbereiten, als Erwachsene im internationalen Maßstab zu denken und zu handeln. Über Europapolitik wissen sie in dieser Altersstufe nicht viel, der Lehrplan sieht das erst später vor. Um so wichtiger sind andere zusätzliche Angebote wie das gestern. Der Verein Bürger Europas e.V. hatte zu dem Thema "Eine Verfassung für Europa" Dr. Koch eingeladen und als Ansprechpartner aus der Kommunalpolitik Waltershausens Bürgermeister, Michael Brychcy (CDU), gewinnen können. Der Europaabgeordnete berichtete - für die Teenager sehr anschaulich - über die Arbeit im Europäischen Parlament, die er sich für die Bürger viel transparenter wünscht. Rund 80 Prozent der Gesetze, nach denen sich auch der Bundestag richten muss, werden in Brüssel beschlossen. Zu den Auswirkungen auf die Kommunen konnte Brychcy mit Beispielen aufwarten, die den Schülern bekannt waren. Wo man umfassende Informationen über die Verfassung für Europa her bekommt, wissen die Salzmanier jetzt, und sie wurden eingeladen, sich am Verfasssungsspiel im Internet zu beteiligen.
TA Gotha, 22.04.2005 |
Schnepfenthal: Faszination der Sprachen |
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MITTENDRIN: Wen-Jie Cheok, Schülersprecher der Salzmannschule, fühlt sich wohl am Spezialgymnasium für Sprachen in Schnepfenthal. TA-Foto: D. BERNKOPF |
REINHARDSBRUNN. Seine Eltern stammen aus China und leben schon lange in Deutschland. Er selbst ist hier geboren. Seit dreieinhalb Jahren lernt er am Spezialgymnasium für Sprachen. Wen-Jie Cheok im TA-Gespräch über tausende Schriftzeichen, Frühstück am Jungstisch und Ferien in einem fernen Land.Der Klosterpark Reinhardsbrunn mit den Internatshäusern ist tief verschneit. Das Fußballfeld, auf dem Wen-Jie und seine Freunde sonst kicken, hat eine weiße Decke.Sport ist für Wen-Jie sehr wichtig. "Neben Fußball, Volleyball und Basketball mache ich gern Kampfsport", erzählt der 14-Jährige. "Wir haben einen sehr guten Lehrer, der fast alles kann: Judo, Karate, Jiu-Jitsu und so. Da lernen wir, Körper und Geist zu beherrschen."Wer an der Salzmannschule lernt, ist vor allem sprachbegabt. Wen-Jie ist mit zwei Sprachen aufgewachsen: in der Schule mit Deutsch und zu Hause mit Chinesisch. Ein paar Jahre nach der Wende zog die Familie aus dem hessischen Schotten nach Mühlhausen, wo Wen-Jies Vater ein China-Restaurant eröffnete. Als er vom Konzept des Sprachengymnasiums in Schnepfenthal hörte, stand für ihn fest, dass das die richtige Schule für seinen Sohn war. "Nach dem Aufnahmetest musste ich einen Monat auf das Ergebnis warten", erinnert sich Wen-Jie. "Ich habe immer wieder in den Briefkasten geschaut. Als dann die Nachricht kam, dass ich bestanden hatte, war ich sehr froh. Mein zehnjähriger Bruder ist übrigens auch an unserer Schule."Wen-Jie lernt inzwischen Englisch, Spanisch und Chinesisch. Als er hierher kam, konnte er die Sprache seiner Eltern zwar perfekt sprechen, aber noch nicht schreiben. "Es ist sicher für mich leichter als für andere. Wir lernen hier nur dreitausend Schriftzeichen; insgesamt gibt es etwa zehntausend."Das Internatsleben gefällt Wen-Jie gut. "Klar, ein bisschen Heimweh hat man immer. Aber da helfen uns die Erzieher und Lehrer. Mit ihnen kann man über alles Mögliche reden, die sind richtig Klasse. "Im Treppenhaus hängt Kunst von den Schülern: Gemälde, Karikaturen, ein Mosaik aus bunten Glassteinen. Auf dem Flur sind Fotos zu sehen: vom Sportfest, vom Afrikanischen Abend und von der dreiwöchigen Sprachreise nach England. Der Tag im Internat beginnt morgens halb sieben. Im Frühstücksraum haben die Jungs einen eigenen Tisch. "Wir sind in der Achten nur sieben Jungs, aber 31 Mädchen. Manchmal ist es da nicht so einfach, sich durchzusetzen. Beim Essen albern wir gern mal ein bisschen rum. Mit Mädchen am Tisch geht das nicht so gut. "Der Bus bringt die Schüler von Reinhardsbrunn nach Schnepfenthal und am Nachmittag wieder zurück. Bis zum Abendbrot um 18 Uhr ist der Tag mit Unterricht, Pausen und einer Studierzeit ausgefüllt. Danach geht Wen-Jie meist zum Sport. Aber auch für Fernsehen oder Computerspiele auf dem Laptop bleibt noch Zeit, bis zur Nachtruhe halb zehn.In seinem Zimmer, das er mit einem anderen Jungen teilt, hängen Poster von Eminem und eine Weltkarte an der Wand. Zu seinen Verwandten in China hat Wen-Jie regelmäßig Kontakt. "Wenn ich am Wochenende zu Hause in Mühlhausen bin, rufen wir oft unsere Großeltern an. Sie leben in Südchina, wo auch mein Vater herkommt. Letztes Jahr war ich in den Ferien vier Wochen lang dort zu Besuch. Es ist für mich wichtig, meine Wurzeln zu kennen. Das Leben dort ist ganz anders als hier. "Noch spielt es für ihn keine große Rolle, ob er ein Chinese ist oder doch eher ein Deutscher mit chinesischer Herkunft. "Meine Großeltern fragen manchmal, ob ich später mal eine Deutsche heiraten will oder eine Chinesin. Ich habe ja noch Zeit, darüber nachzudenken. Auf jeden Fall will ich mal studieren. Egal, was ich mache: Sprachen werden immer eine große Rolle spielen."
Frank GÖBEL
TA Gotha, 19.02.05 |
Haushalt statt Schule saniert
(TA 06.01.2005) |
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Das Ganztagsschulprogramm des Bundes ist eine feine Sache. Man kann damit zum Beispiel seinen gesamten Müll loswerden.
Morgen ist Tag der Offenen Tür im Sprachgymnasium in Schnepfenthal bei Waltershausen. Es ist mit viel Andrang zu rechnen, der Ruf der "Salzmannschule" ist hervorragend.
Nicht ganz so die Bedingungen. Ein ursprünglich ins Auge gefasster Internatsneubau wurde aus Geldmangel verworfen, die Schüler wohnen übergangsweise im Kloster Reinhardsbrunn und bald auch noch in einem ungenutzten Hotel in Waltershausen.
In solcher Lage traf es sich gut, dass der Bund im vergangenen Jahr ein Programm für Ganztagsschulen auflegte. Allein 13 Millionen Euro flossen, hauptsächlich für die Salzmannschule, in den Kreis Gotha.
Doch der hatte noch ein anderes Problem: ein großes Haushaltsloch. In einem umstrittenen Vergleich hatte Landrat Siegfried Liebezeit (SPD) den Vertrag mit dem bisherigen Abfallentsorger aufgelöst - gegen Zahlung von sieben Millionen Euro. Als nun das Geld für die Ganztagsschulen eintraf, war die Rettung da. Der Kreis nahm die milde Gabe in den Haushalt auf, rechnete ein bisschen hin und her und plötzlich ließen sich alle Schulden bezahlen, auch für den Abfall-Deal.
Dieser Umstand beschäftigt nun die Erfurter Staatsanwaltschaft. Denn im Grunde sind 3,2 Millionen Euro, die vom Bund für Schulen zweckgebunden zur Verfügung gestellt wurden, nun in andere Titel geflossen. Die Staatsanwälte haben dabei zwei Fragen zu prüfen: wer für dieses zweifelhafte Verfahren verantwortlich ist und ob dabei eine strafbare Handlung vorliegt.
Die Anzeige, die offenbar aus der Elternschaft des Spezialgymnasiums stammt, richtet sich gegen "Verantwortliche des Landkreises". Im juristischen Sinne ist dies zuerst der Landrat. Die Zweckentfremdung steht jedoch in einem Beschluss des Kreistags für den Haushalt 2004. Und gegen einen Kreistag kann man eigentlich nicht ermitteln.
Jürgen Karstedt, Vize-Fraktionschef der CDU im Gothaer Kreistag, hatte damals gegen den Haushalt gestimmt. Für ihn steht fest, dass diese Millionen "ganz klar zweckentfremdet" worden sind. In einem Brief hat er den Landesrechnungshof aufgefordert, den Sachverhalt zu prüfen. Obwohl er weiß, dass der Kreis, wenn die missbrauchten Gelder zurückgezahlt werden müssten, "mehr als pleite ist".
06.01.2005 Von Eberhardt PFEIFFER |
Landgräfliches Internat
(TA 06.01.2005)
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SCHNEPFENTHAL (vd). In die Debatte um die Internatsgestaltung des Spezialgymnasiums für Sprachen ist Bewegung gekommen. Im zweiten Schulhalbjahr soll das Hotel Landgraf in Waltershausen als Internat für Schüler der älteren Jahrgänge umfunktioniert werden. Die jüngeren Schüler nutzen weiterhin den Klosterpark Reinhardsbrunn.
Am Samstag ist Tag der offenen Tür in der Salzmannschule. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss klar sein, welche Internatsplätze für die alljährlich wachsende Schülerzahl zur Verfügung stehen. Eltern, die für ihre Kinder eine Spezialsprachenausbildung wählen möchten, legen Wert auf eine gute Unterbringung.
Gestern ging Landrat Siegfried Liebezeit (SPD) mit seiner Lösung an die Öffentlichkeit. Seitdem er die Ausschreibung für ein neues Internat, das gleich neben der Schule gebaut werden sollte, zurücknehmen ließ, stand er unter Zugzwang. Die derzeit genutzten Internatshäuser im Klosterpark Reinhardsbrunn reichen für Schüler ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr aus. Geplant ist daher, die Schüler der älteren Jahrgänge direkt in Waltershausen unterzubringen, im Gebäude des Hotels Landgraf. Mit dessen Eigentümervertretern gibt es Verhandlungen zur Nutzung des Hotels, das als solches laut Wolfgang Machts, Pressesprecher im Landratsamt, aufgegeben wird. Die derzeitige Pächterin wollte dazu gestern noch nichts sagen, sie rede erst, wenn Verträge unterschrieben sind. Nach einigen Umbauten könnten die ersten Sprachenschüler schon im Frühjahr einziehen, so Machts. Zweiter Internatsstandort bleibt der Klosterpark. Dort wohnen die jüngeren Schüler. Gestern Abend stellte Jürgen Seiring vom Schulverwaltungsamt die Pläne der Schulkonferenz vor. Schulleiter Dirk Schmidt sieht ein positives Signal : "Wir können den Eltern am Samstag nun konkret Auskunft zur Internatssituation geben." Wichtig sei auch, dass Landkreis und Kultusministerium trotz Übergangsvariante an der Campuslösung festhalten. |
TA Gotha, 06.01.05
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